Test Acer H6500 Full-HD Projektor
Er ist erstaunlich kompakt, erstaunlich günstig und erstaunlich hell: Der Acer H6500 wirft die Frage auf, wieviel Projektor für eine gute Full-HD-Wiedergabe im Wohnzimmer nötig ist. Wir prüfen das in einem Test.
Rundgang

 

 

 

 

 

Kommt es doch auf die Größe an?

Nach dem sehr guten Abschneiden des Acer Heimkino-Spitzenmodells H9500BD war die Redaktion gespannt auf das Eintreffen des Full-HD-Zwergs H6500, der uns schon bei der ersten Präsentation noch vor der CeBIT neugierig machte. In der Preisliste steht der H6500 mit 999 Euro, im Handel ist er bereits kurz nach Erscheinen für ungefähr 800 Euro zu erwerben.



Rundgang

Schon die kompakte Verpackung des Full-HD-Projektors lässt eher auf einen Präsentationsbeamer als auf ein vollwertiges Heimkinogerät schließen. Der Eindruck verstärkt sich nach dem Öffnen, steckt der 268 x 192 x 80 mm kleine Projektor doch in einer schicken Transporttasche. Stellen wir das sehr gut verarbeitete Gerät auf den Labortisch:

Von ausladenden Heimkino-Boliden verwöhnt, mutet der kompakte Anblick des Taiwanesen zunächst ungewöhnlich an. Der Projektor bedient sich der DLP Dark Chip 2 Technik von TI, durch die gekapselte Bauweise werden keine Staubfilter benötigt. Die gesamte Kühlung zieht quer durchs Gehäuse, was eine Montage im Regal oder nah an der Wand unproblematisch gestaltet.


Verglichen mit den Boliden-Optiken wirkt die des Full-HD-Zwerges fast ein wenig spielzeughaft. Wir können allerdings bereits vorab Entwarnung geben: Der Bildqualität tut dies keinen Abbruch. Die möglichen Korrekturen bei der Aufstellung sind allerdings so gut wie nicht vorhanden: Ein Lens-Shift fehlt völlig, der Zoom ist mit 1,2x eher alibihaft. Zoom und Fokus werden manuell am Objektiv eingestellt.


Für das Heimkino sind die beiden Bullet6 HDMI 1.3 Eingänge wichtig, hinzu gesellen sich ein 12Volt Trigger-Ausgang für die Leinwandsteuerung, ein USB 2.0 Ausgang sowie analoge Eingänge.


Durch sein schneeweißes Gehäuse fällt der H6500 an der gewöhnlichen Wohnzimmerdecke kaum auf. Die Bedienung gelingt dank gutem Tastenfeld am Gerät, die Lampe kann von oben gewechselt werden, dazu wird der vordere Teil der Abdeckung entfernt.

Niedlich, ohne Beleuchtung und mit den wichtigsten Funktionen versehen: die Fernbedienung des H6500 ist technisch gut mit hervorragendem Wirkungsgrad.

 





Aufstellung, Technik

Die Aufstellung

DLP-Beamer sind grundsätzlich weniger flexibel in der Aufstellung als ihre LCD-Brüder, hinzu kommt der konstruktiv bedingte fehlende Lens-Shift und ein recht geringer Zoom-Faktor. Bei letzterem gibt es positiv zu vermelden, dass das Bild des H6500 bei vollem Weitwinkel-Zoom in unserer Labor-Anordnung 3,50m von der 2,40 Leinwand entfernt lediglich 2 cm weniger Breite aufweist als das seines größeren Bruders H9500BD, der immerhin einen 1,5 fach Zoom verbaut hat. Bei dieser Konstellation überzeugt ein für DLP-Verhältnisse überaus geringer Offset (Abweichung der Bildprojektion von der Achse der Linse) von lediglich 19 cm. Die eng zusammenliegenden Befestigungs-Gewinde sind allerdings sehr speziell, hier sollte die Deckenhalterung vorab auf Eignung überprüft werden. Der Hersteller bietet dazu einen praxisgerechten Projektions-Kalkulator.

Nach dem ersten Einschalten ohne Signalzugang aktiviert der Druck auf die "Menü"-Taste ein Testbild zur Justierung und die Einstellung der passenden Projektion mit den üblichen Möglichkeiten auf dem Tisch, an der Decke und jeweils seitenverkehrt für Rückprojektion.

Die Technik

Acer baut auf sogenannte "Wohnzimmerbeamer". Das dazu benötigte Licht im nicht ganz abgedunkelten Raum liefert eine 240 Watt Osram-UHP-Lampe, deren Laufzeit mit 3500 Stunden im Standard- und 5000 Stunden im Eco-Modus angegeben wird. Gibt die Lampe im ersten Jahr nach dem Kauf den Geist auf, ersetzt der Hersteller diese kostenlos - ohne Stundenbegrenzung!  Ein Ersatz reißt danach mit 160 Euro ein vergleichsweise nicht allzu großes Loch ins Budget. Im höchsten Lampen-Modus ergaben unsere Messungen hohe 2083 Lumen, was mit der Werksangabe von 2100 Lumen fast übereinstimmt. Im Heimkino ist dagegen der Film-Modus relevant, hier verbleiben bei optimaler Einstellung immer noch sehr helle 1600 Lumen, die im empfehlenswerten Eco-Modus auf 1400 Lumen reduziert werden. Statt einer Blende arbeitet der kleine Acer mit einer variablen Lampensteuerung. Das bringt mit 10000:1 nicht ganz so traumhafte theoretische Kontrastwerte, allerdings entfällt dabei das lästige Bildpumpen und nervige Blendengeräusche.

Laut Werksangabe dreht sich das 6-fach Farbrad mit 7200 Umdrehungen pro Sekunde. Die Farbsegmente werden dabei variabel angesteuert, die beste Heimkinoeinstellung ist hier der Modus "Film" mit zugeschaltetem "Eco" - ein Preset, bei dem sich der Hersteller wohl viel gedacht hat und welches uns mit praxisgerechten Voreinstellungen durch den Test begleiten wird. DLP-Beamer werfen die Farben hintereinander auf die Leinwand, empfindliche Zuschauer nehmen als Folge regenbogenartige Schattierungen in Szenen mit hohem Kontrast wahr. Dieser sogenannte "Regenbogen-Effekt" (RBE) ist beim H6500 leicht ausgeprägter als beim H9500BD, ohne wirklich störend zu wirken. Auf eine Zwischenbildberechnung wird aus Budget-Gründen verzichtet, der Bullet6 Beamer bringt 1080p/24Hz Signale vom Bullet6 Blu-ray Player allerings in beeindruckender Qualität nativ auf die Leinwand.




Setup
Das Setup


Das Setup entspricht dem gängigem Acer-Standard, ähnelt von daher dem des H9500BD. Das Setup-Menü ist intuitiv beherrschbar, übersichtlich und zu allermeist gut übersetzt. Neben den Presets schaltet der Projektor bei Änderungen derselben automatisch in den "Benutzer"-Modus und speichert diesen für jeden Eingang und jede Eingangsfrequenz separat ab. Die Einstellungen für die Wandfarben sollen unterschiedliche Projektionen auf entsprechende farbliche Untergründe ausgleichen, was nur unzulänglich funktioniert.



Während bei HDMI-Zuspielung die Rauschunterdrückung praxisgerecht automatisch deaktiviert wird, stehen mit "BrilliantColor" und "DynamicBlack" zwei wichtige Optionen parat. "BrilliantColor" bewirkt eine durchaus positive Veränderung des Farbraums, der durch die Aktivierung recht exakt der Norm entspricht (s. Bildtest CIE-Chart). "DynamicBlack" aktiviert die automatische Lampensteuerung, die in der Praxis für einen ordentlichen Bildeindruck ohne großartiges Helligkeits-Pumpen sorgt, andererseits das sonst übliche Blendengeräusch durch einen auf- und abfahrenden Lüfter ersetzt, was nicht weniger nervt. Da der In-Bild Kontrast von Haus aus ohne diese Funktion schon gut ist, empfiehlt sich die Deaktivierung.


Die Farbverwaltung ist zwar gut gemeint, aber letztlich nicht praxisgerecht, es fehlen Einstellungsmöglichkeiten für die Farbsättigung, die Helligkeit und den Farbton. Mit den abgebildeten Werten erreichten wir bei unserer Konfiguration dennoch eine Punktlandung auf dem D65-Farbwert und zusammen mit "BrilliantColor" einem fast perfekten Farbraum basierend auf dem "Film"-Modus.



Hinter "HDMI-Suchinfo" verbirgt sich die Overscan-Einstellung, die sich durch die Einstellung "Underscan" oder "Aus" auf eine pixelgenaue Abbildung ohne Skalierung justieren lässt. Die Trapez-Korrektur funkioniert rein digital und kostet entsprechend Auflösung und damit Bildqualität.


Die Menü-Position lässt sich variabel fixieren, der Zugriff auf den Projektor per Sicherheitseinstellung limitieren - ein Überbleibsel aus der Präsentations-Technik.


Die kompletten Lampen-Einstellungen finden sich unter dem "Verwaltungs"-Menü.


Das Timer-Menü sparen wir uns, die Sprachvielfalt ist wie vom Hersteller gewohnt sehr groß.


Ein Druck auf die "e"-Taste der Fernbedienung lässt schnell zwischen den unterschiedlichen Presets wechseln.







Bildqualität
Unsere Messungen wurden mit dem Eye One Pro Spektroradiometer von Xrite und der bewährten Colorfacts-Software von Datacolor durchgeführt. Wir beziehen uns auf die für den Anwender relevante Messung der vorgegebenen Werks-Parameter, im Fall des Acer H6500 ist dies die "Film"-Voreinstellung als sehr geeigneter Kompromiss. Insgesamt kann ein Profi durch entsprechende Kalibrierung eine noch engere Übereinstimmung mit der optimalen Einstellung auf Farbumfang und Grauwerten erreichen - für den Gewinner unseres Preisrätsels haben wir das bereits erledigt: der Projektor ist exakt in der Benutzer-Einstellung auf einen korrekten Farbraum, die Farbtemperatur, Gamma und Kontrast justiert!


Das Dreieck zeigt beim "Film"-Modus bei Aktivierung von "Brilliant-Color" eine noch gute Übereinstimmung mit dem Normfarbraum mit leichter Erweiterung, Die farbigen Punkte attestieren eine sehr geringe Abweichung der Farbhelligkeit von der Norm. Die grauen Punkte stehen für die Farbtemperatur, die mit durchschnittlich knapp unter 7000 Kelvin noch gut am im Fadenkreuz des D65 liegen. Sie leigen sehr eng zusammen, was eine hohe Kontinuität über den gesamten Bereich belegt.


Das Temperatur-Histogramm verdeutlicht den DLP-typischen, sehr kontinuierlichen Verlauf der Farbtemperatur.



Passt: Der "Film"-Preset ist mit aktiviertem "BrilliantColor" in den Grundfarben sehr gut ausbalanciert.

Zeigte sich der große Bruder H9500BD bei langen HDMI-Verkabelungen noch zickig, überzeugt der H6500 mit einem völlig unproblematischen Verhalten. Unser 15 m langes Argentum Premium HDMI-Kabel, verbunden über den Onkyo TX-NR 5008, machte dabei ebensowenig Probleme wie versuchsweise probierte Billig-Kabel zwischen 10 und 15 m Länge.



Unsere anfängliche Skepsis ob der Miniatur-Optik erwies sich als unbegründet. Unsere Burosch-Testsequenzen belegen eine sehr hohe Auflösung bis in die Bildecken ohne erkennbare Konvergenzfehler.


Exakt: die Darstellung der einzelnen Pixel gelingt problemlos mit sauberen Kanten.


Die "Film"-Voreinstellung liefert bei "Degamma2" ein effektives Gamma von 2,14 mit sehr guter Durchzeichnung dunkler Bildelemente.

Auf unserer 1.0 Gain-Leinwand überzeugt der Full-HD-Zwerg mit einem natürlichen, sehr hellem Bild. Der native Kontrast liegt bei respektablen 1800:1 ohne Lampensteuerung. Der In-Bild-Kontrast, also dunkle Stellen in einem praxisgerecht gemischten Bild, erscheint subjektiv überaus hoch, unsere Testpersonen attestierten einen sehr guten subjektiven Schwarzwert . Der wird etwas schwächer, wenn das gesamte Bild dunkel ist, dann überschattet ein minimaler Grauteppich das Schwarz. Bei der Farbdarstellung greifen die Vorsteile der DLP-Technik, die Farbkonvergenz ist schlicht hervorragend. Die Skalierung gelingt perfekt, das Deinterlacing dagegen weniger. Sowohl bei DVD-PAL-Zuspielung wie bei 1080i/50Hz Zuspielung verwischt das Bild leicht. Hier ist die progressive Zuspielung vorzuziehen. Die kommt ohnehin vom Blu-ray-Player in aller Regel mit 1080p/24Hz. Das native 24 Hertz-Signal wird untouched sehr schön Kino-like wiedergegeben - eine überaus überzeugende Vorstellung.

Das Betriebsgeräusch wird aus den Lüfter- und Farbrad-Umdrehungen gebildet und ist mit 24dB im Eco-Modus zwar hörbar, aufgrund der Frequenz aber nicht allzu störend - aktuelle Spitzenbeamer sind allerdings deutlich leiser. Aufgrund der kompakten Bauweise haben wir weitaus Schlimmeres befürchtet - ohne den Eco-Modus schnellt das Getöse dann auch deutlich über die 30 dB-Marke.






HDTV-PRAXIS Fazit

HDTV-PRAXIS Fazit
Zumindest beim Thema Bullet6 Beamer können wir Entwarnung geben: es kommt nicht auf die Größe an! icon_wink Der kleine Acer H6500 überzeugt im Test mit gelungenen Voreinstellungen und einem wirklich guten Bild, welches die Testpersonen das ein und andere Mal erstaunt auf den Mini-Beamer an der Decke blicken lies. Die Helligkeit bietet genug Reserven, um selbst bei einem nicht komplett abgedunkelten Wohnzimmer ein befriedigendes Bild zu garantieren. Der Acer H6500 ist zwar als Hybrid-Projektor für Präsentation und Heimkino konzipiert, als Präsentations-Beamer allerdings verschenkt. Dieses Gerät gehört ob seiner Qualitäten eindeutig ins Wohnzimmer. Nicht vergessen sollten Interessenten allerdings die nötige exakte Ausrichtung auf die Gegegebenheiten, nachträglich ändern lässt sich daran mangels Optionen nichts mehr. Insgesamt  ist der Acer H6500 ein "Highlight", welches ob seiner Unkompliziertheit selbst Beamer-Anfängern  mächtig Spaß macht - und aufgrund seines Schnäppchenpreises ein dicker "Preis-Tipp"!

Acer H6500
Pluspunkte

- sehr gutes Full-HD Bild
- sehr natürliche Voreinstellungen
- sehr lichtstark
- gute Verarbeitung
- gute Materialanmutung
- überragendes Preis-Leistungsverhältnis

Minuspunkte
- unvollständiges Farbmanagement
- sehr unflexible Aufstellung
- prinzipbedingter Regenbogeneffekt
- Betriebsgeräusche

Test © April 2012 Helmut Gerdesmeier
Fotos © Acer, H.Gerdesmeier




Weblinks:
Bullet6 www.acer.de