Test BenQ W1200 Full-HD Projektor
BenQ positioniert den W1200 in der Projektoren-Mittelklasse und ruft per UVP 1.499 Euro ab, im Internet ist das Gerät bereits für 1.199 Euro verfügbar – und damit einer der günstigen Full-HD Einstiegsbeamer. Wie schlägt sich der mit Frame-Interpolation und einer besonders aufwändigen Optik bewaffnete Proband im Test?
Test BenQ W1200





Herr der Farben




BenQ positioniert den W1200 in der Projektoren-Mittelklasse und ruft per UVP 1.499 Euro ab, im Internet ist das Gerät bereits für 1.199 Euro verfügbar – und damit einer der günstigen Full-HD Einstiegsbeamer. Wie schlägt sich der mit Frame-Interpolation und einer besonders aufwändigen Optik bewaffnete Proband im Test?


Rundgang


 

Der BenQ W1200 ist nicht so klein wie der Acer H6500, aber mit 339x139x260mm dennoch einer der kompaktesten Full-HD Heimkino-Beamer. Die Verarbeitung und die verwendeten Materialien sind sehr gut, die weiße Grundfarbe verrät die Ausrichtung als Heimkino-Projektor, der unter der weißen Decke so kaum auffällt.

 

 

BenQ lenkt stilsicher die Blicke auf die Optik des Projektors, die von oben durch eine Griffmulde feinfühlig und nur manuell justiert wird. Wie bei DLP-Projektoren meist üblich, fehlt ein Lens-Shift, der Zoom ist mit 1,5 x dagegen praxisgerecht ausgelegt.

 

 

Das Objektiv ist mit 12 Linsen in dieser Preisklasse vergleichsweise aufwändig konzipiert. BenQ verzichtet auf eine Staubschutzklappe am Gerät, stattdessen wird eine Plastikkappe bemüht, die auf das Objektiv gestülpt garantiert die Fokus-Einstellung verstellt – hier sollten sich die Hersteller selbst bei den günstigen Projektoren endlich einmal einen Ruck geben und praxisgerechte Lösungen verbauen.

 

 

Überaus komplett präsentiert sich das Anschlussfeld. Gleich zwei Bullet6 HDMI 1.3a, praxisgerecht mit einem serienmäßigen HDMI-Repeater selbst für längere Kabel gerüstet, einige analoge Eingänge , ein durchgeschleifter VGA-Ein- und Ausgang, eine RS232, ein USB 2.0-Ausgang sowie ein 12 Volt-Trigger für automatisierte Steuerungen z.B. der Leinwand vervollständigen das Bild.

 

 

DLP-Projektoren finden prinzipbedingt ihren Wohnzimmer-Einsatzplatz bevorzugt an der Decke. Durch den schneeweißen Gehäusedeckel fügt der Bullet6 Beamer dezent ins Erscheinungsbild ein und bietet dank eines vollständigen Tastenfeldes mit definiertem Druckpunkt eine Bedienung direkt am Gerät.

 

 

Die DLP-Einheit ist komplett gekapselt und benötigt von daher keinerlei Staubschutzmaßnahmen. Wie in der Klasse üblich, verläuft der Kühlweg quer durchs Gehäuse und ermöglicht so eine wandnahe Aufstellung oder Montage. Unüblich ist die Ausstattung mit zwei verbauten 10 Watt Lautsprechern, die nötigenfalls einen AV-Receiver ersetzen sollen.

 

 

Die sehr gute Fernbedienung des W1200 ist komplett und angenehm hinterleuchtet. Lediglich zwei Beschriftungen sind nicht auf den Tasten, eine Bedienung im dunklen Heimkino selbst Anfängern deshalb problemlos möglich. Druckpunkt und Reichweite sind sehr gut, die Tasten allerdings etwas gleichförmig und zahlreich, dafür gibt es überwiegend Direktfunktionen.


Aufstellung, Technik

Die Aufstellung

DLP-Beamer sind grundsätzlich weniger flexibel in der Aufstellung als ihre LCD-Brüder, hinzu kommt der konstruktiv bedingte fehlende Lens-Shift, die Platzierung des Gerätes sollte also bereits vor der Montage sorgfältig ausgemessen und durchdacht werden. Der Hersteller bietet dazu einen praxisgerechten Projektions-Kalkulator.

Der 1,5fach Zoom gestattet ein großes Bild bei nicht allzu großer Entfernung des Projektors von der Leinwand und entspricht im Ergebnis beim größten Weitwinkel ungefähr dem Acer H6500. Allerdings muss ein sehr großer, praxisfremder Offset (Abweichung der Bildprojektion von der Achse der Linse) mit eingerechnet werden. Zudem zeigte sich trotz neuester Firmware 1.06 immer noch eine lästige Besonderheit: wird im Setup auf Deckenmontage gestellt, legt der Lüfter mit voller Leistung und damit störenden 30dB los – unnötig.

Zur leichteren Ausrichtung ist ein Testbild integriert.

 

Die Technik

Die Ausrichtung als Wohnzimmerbeamer, der selbst bei nicht ganz abgedunkeltem Raum noch ein akzeptables Seh-Erlebnis sicherstellen soll, benötigt genügend Licht bei der Projektion. Die 230 Watt Hochdrucklampe, BenQ gibt die Lebensdauer zwischen 2500 Stunden im Normal- und 4000 im Eco-Modus an, soll es im Normalmodus auf 1800 Lumen bringen. Das funktioniert in den hellen Voreinstellungen mit entsprechend verfälschten Farben und einem unakzeptablen Schwarzwert leidlich, im einigermaßen stimmigen „Kino“-Modus bleiben dann 1021 Lumen übrig. Wird der für den Schwarzwert und die Lampenlebensdauer empfehlenswerte Eco-Modus geschaltet, bleiben 795 Lumen und die Empfehlung für einen möglichst dunklen Raum.

Das sechsfach RGB/RGB Farbrad dreht sich mit vierfacher Geschwindigkeit und soll in Verbindung mit dem 0,65 Zoll DLP-Chip von Texas Instruments eine möglichst natürliche Darstellung ohne den bei DLP-Projektoren gefürchteten Regenbogen-Effekt (RBE) realisieren. Der entsteht, weil Ein-Chip DLP-Projektoren die Farben hintereinander auf die Leinwand werfen. Die Empfindlichkeit ist von Person zu Person sehr unterschiedlich, einige nehmen die regenbogenfarbigen Schattierungen in konstrastreichen Szenen sensibler wahr als andere. Leider ist der RBE beim W1200 recht ausgeprägt und im Testfeld unserer günstigen Projektoren nach Durchläufen mit unterschiedlichsten Testpersonen am ehesten sichtbar. Leicht vermindert wird er durch eine exakte Farb-Kalibrierung. Dazu bietet der Projektor ein komplettes ISF-Spielfeld, welches allerdings aufgrund eines Zugangs-Codes nur entsprechend zertifizierten Fachleuten zugänglich ist – in der Form ist das allerdings einmalig in dieser Preisklasse.

1080p/24Hz Signale vom Blu-ray-Player werden nativ dargestellt, zusätzlich hilft eine Bild-Zwischenberechnung. Die ist in drei Stufen zuschaltbar und soll neben einem weichem Bewegungsablauf vor allem die Bewegungsschärfe verbessern, der Projektor verdoppelt dabei die Frequenz der Videostandards auf 100 (PAL) oder 120 (NTSC) Hertz.

 

 


Das Setup


 


Das recht kleine Setup verrät die jahrelange Erfahrung des Herstellers bei Heimkino-Beamern und überzeugt durch überaus praxisgerechte Funktionen. Neben den fest vorgegebenen Parametern – fürs Heimkino relevant ist davon lediglich „Kino“ – stehen eine weiterer freier Platz sowie zwei ISF-Einstellungen zur Verfügung. Der Bullet6 Beamer wurde ursprünglich mit der Firmware 1.02 zum Test geliefert, die einige relevante Mängel aufwies, unter anderem konnten voreingestellte Werte nicht gespeichert werden. Ein Update auf 1.06 beseitigte die allermeisten Mängel zuverlässig.


 



Praxisgerecht gestalten sich zudem die erweiterten Video-Einstellungen. Die „3D-Farbverwaltung“ ermöglicht mit entsprechenden Hilfsmitteln und dem nötigen Know-How eine Kalibrierung der Grauwerte auf den D65, mit der dritten Dimension in der Anzeige von 3D-Bilder hat sich aber nichts gemein – der Projektor ist für 3D-Signale nicht geeignet.


 



Die „Klarheitseinstellungen“ ermöglichen die Aktivierung eines selbst im HDMI-Modus wirksamen Rauschfilters und einer Detailverstärkung. Nach unseren Messungen empfiehlt sich im Sinn eines natürlichen Bildes unbedingt die Deaktivierung beider Regler auf „0“.


 



„Hierdarfstenichrein“ – das ISF Farbmanagement ist entsprechend zertifizierten Fachleuten vorbehalten.


 




BenQ bietet eine automatische Korrektur bei schräger Ausrichtung des Projektors. Strahlt der also in nicht optimalem Winkel auf die Leinwand, werden die trapezförmigen Verzerrungen automatisch digital korrigiert. Das funktioniert sehr gut, allerdings kostet es Auflösung und damit Bildqualität und sollte daher lediglich als Notlösung dienen. Der Overscan kann auf null und damit einer Pixelgenauen Darstellung reduziert werden.


  



Bei den HDMI-Einstellungen hat sich der Hersteller richtig nachgedacht: quälen bei längeren HDMI-Leitungen die meisten Beamer durch unzuverlässige HDMI-Handshakes ihre Benutzer, so ist der meist nötige Repeater beim BenQ direkt eingebaut und lässt sich in drei Stufen regeln – vorbildlich und unbedingt zur Nachahmung empfohlen!


 



Die beiden verbauten Lautsprecher lassen sich im speziellen Setup konfigurieren. Verwirrend ist die doppelte Verneinung bei der Deaktivierung, der wohl bevorzugten  Einstellung im Heimkino: „Ton aus“ muss mit „Ein“ beantwortet werden, dann schweigen die verbauten Lautsprecher.


 



Bei den Systemeinstellungen findet der kundige Beamer-Freund alles, was das Heimkino-Herz begehrt. Hier ist allerdings dann der schon weiter oben angeführte Fehler eingebaut: bei Aktivierung der Deckenposition bläst die Lüftung nervend mit voller Drehzahl.


 




Der Kühlung der Lampe nach dem Ausschalten widmet sich der Hersteller besonders sorgfältig. So dreht sich der Lüfter selbst dann noch in einem Notmodus, wenn die Stromzufuhr zu schnell unterbrochen wurde. Das trägt sicherlich zur Lebenserwartung der Lampe bei, die bei Ersatz mit zivilen 160 Euro ins Budget schlägt.


 



Übersichtlich: die Systeminformationen auf einen Blick.


Bildqualität

Unsere Messungen wurden mit dem Eye One Pro Spektroradiometer von Xrite und der bewährten Colorfacts-Software von Datacolor durchgeführt. Wir beziehen uns auf die für den Anwender relevante Messung der vorgegebenen Werks-Parameter, im Fall des BenQ W1200 ist dies die "Kino"-Voreinstellung als geeigneter Kompromiss. Durch eine ISF-Kalibrierung können die Werte perfektioniert werden.


 



 


Das dunkle Dreieck im Farbsegel zeigt den optimalen HD-Farbraum, das weiße die gemessenen Ergebnisse. Insgesamt kippt der Farbraum leicht gegen grün, ein Trick, mit dem viele Projektoren-Hersteller die Lichtleistung erhöhen. Natürlichen Farben ist dies weniger zuträglich, selbst wenn es sich im Fall des W1200 noch in einem akzeptablen Rahmen bewegt. Die grauen Punkte belegen die Messungen der Graustufen, das Fadenkreuz signalisiert den optimalen D65 Farbpunkt, der mit 6503 Kelvin spezifiziert ist.



 









Die drei Messbilder des Farbverlaufs belegen eine sehr konstante Voreinstellung, die mit 6245 recht nah und sehr gleichmäßig am D65 verläuft – mit wiederum minimaler Tendenz zum grün.



 





Der Gamma-Wert liegt mit 2.1 in der Grundeinstellung etwas niedrig, kann aber problemlos auf bis zu 2,4 manuell justiert werden. Insgesamt ist ein In-Bild Kontrast mit 1901:1 und ein ANSI-Kontrast mit 381:1 eher mäßig, selbst wenn der subjektive Kontrast von unseren Testpersonen als „gut“ bezeichnet wurde.



Dank eingebautem HDMI-Repeater arbeitet der W1200 sehr zuverlässig selbst mit günstigen langen HDMI-Kabeln zusammen. Bei Zuspielung von Interlace-Signalen, als Beispiel dienen hier Sat-Receiver-Signale mit den üblichen 1080i/50Hz, setzt der BenQ die Halbbilder nur unzureichend exakt wieder zusammen, wir empfehlen die Zuspielung von Vollbildern, die entweder die Ausgangsgeräte oder der AV-Receiver in den meisten Fällen besser verarbeiten als der W1200. Die Skalierung gerät dagegen gut und die native Darstellung von 1080p/24Hz vom Bullet6 Blu-ray Player hervorragend. Die Zwischenbildberechnung ist in drei Stufen zuschaltbar und belässt es in Stufe eins bei einer Verbesserung der Bewegungsschärfe, der Kino-Judder bleibt bestehen. Erst ab Stufe zwei werden die Bewegungen flüssiger mit dem bekannten Soap-Effekt als Gegenwirkung. Noch dazu treten einige wenige Artefakte um bewegte Objekte herum, die für die Preisklasse aber verschmerzbar sind – verglichen mit der Interpolation des Acer H9500BD fällt der W1200 allerdings erwartungsgemäß ab. Insgesamt attestierten unsere Testzuschauer ein scharfes, bei dunklem Raum ausreichend helles Bild mit gutem subjektivem Kontrast, der lediglich bei sehr dunklem Gesamtbild nachlies – ein typisches DLP-Ergebnis. Typisch waren leider auch die farbigen Schattierungen bei hohem Kontrast rund um helle Bildelemente, die beim W1200 unverhältnismäßig vielen Testern negativ auffielen, wir empfehlen unbedingt ein Probeschauen vor dem Kauf, weil dieser Eindruck sehr subjektiv unterschiedlich stark wahrgenommen wird.


 Grundsätzlich ist der BenQ W1200 ein eher leiser Geselle, der mit 22dB im Eco-Modus vor sich hinsäuselt. Allerdings erhöht sich das Lüftergeräusch mit der Dauer des Betriebes und unter der Decke ist das Gerät mit 30dB nervig.


Fazit


 


HDTV-PRAXIS Fazit

Der BenQ W1200 ist ohne Zweifel ein Heimkino-Projektor mit einigen sehr guten Ansätzen. Die ISF-Kalibrierung sucht in der Preisklasse ihresgleichen, die Zwischenbild-Interpolation sorgt für Bewegungsschärfe. Allerdings trüben einige Ungereimtheiten das Bild. So ist der RBE sicherlich besser beherrschbar und der Lüfter muss bei Decken-Betrieb nicht mit voller Leistung dröhnen. Zudem sollte BenQ sein Konzept mit dem riesigen Offset überdenken, der die Aufstellung unnötig zusätzlich erschwert. Bei einem UVP von knapp 1500 Euro und einem Marktpreis von 1200 Euro könnte eine 3D-Eignung ins Auge gefasst werden – die Konkurrenz macht es vor! Wer sich mit den Nachteilen des Gerätes arrangiert, erhält einen Wohnzimmerbeamer mit sehr scharfem Bild und gewaltigem Justierungs-Potenzial – von daher ist der BenQ W1200 durchaus ein Kauf-Tipp.

 

BenQ W1200

Pluspunkte
- gutes Full-HD
- Zwischenbild-Interpolation
- natürliche Voreinstellungen
- vollständige ISF-Kalibrierung
- HDMI-Repeater eingebaut
- gute Verarbeitung
- gute Materialanmutung
- sehr gute Fernbedienung

Minuspunkte
- sehr großer Offset
- prinzipbedingter Regenbogeneffekt
- Betriebsgeräusche

 

Test © April 2012 Helmut Gerdesmeier

Fotos © BenQ, H.Gerdesmeier

 




Weblinks:
Bullet6 www.benq.de